SPAM

(Come as you are, as you were, as I want you to be.)


Im Wettlauf mit dem Ideal der Selbstoptimierung
Strebe ich natürlich ebenfalls nach Perfektionierung.
Von Fitness über Bildung bis zum Konto mit Geld,
informiere, suche, buche ich mich rund um die Welt!


Ich find’ mich ziemlich gut, doch etwas bremst meine Allüren,
vor einer Woche wollt’ ich meine Süße verführen,
ich kuschelte mich an sie, und das macht mir zu schaffen,
sie so: „Mmh, lass es Schatz, ich möchte nicht so ’nen Schlaffen!“


Versagt! Dieses Thema hat mich noch nie beschäftigt.
Auch wenn mich mein Spamverdacht fast täglich ermahnt
Und in mir eine Angst vor dem Versagen bekräftigt,
hat er doch gleich die Lösung parat (klick):


Die Möhre im Bettchen dicker machen,
Wenn’s mal wieder nicht mehr klappt.
Die Lebensgefährtin in Taumel versetzen
Mit dem Reproduktionsakt.
Durch Unbiegsamkeit die Schlacht gewinnen,
Mit blauen Pillen dem Alltag entrinnen.
Stundenlanger Supersex
Veronika, der Spargel wächst!


Nun, eigentlich war mir bisher noch niemals bewusst,
dass man so vieles optimieren kann bei der Lust,
Doch diese Mails sind immerhin schon fast Poesie:
Sie strahlen fast vor Lyrik und vor Selbstironie!


Na gut, dann klick, ein Testpaket bestellt,
Zwei Wochen nur mit Warten verbracht,
99 Dollar sind ja schließlich kein Geld,
Für eine unvergessliche Nacht:


Die Möhre im Bettchen dicker machen,
Wenn der Obelisk nicht mehr steht.
Die Knospe durch Gießen zur Blüte führen,
Wenn der Wind aus Süden weht.
Durch Standhaftigkeit an Kraft gewinnen,
Die Maid in Extase ist völlig von Sinnen.
So klappt’s auch wieder mit der Ex,
Veronika, der Spargel wächst!


Trari, Trara, die Post war da,
mit einem kleinen Päckchen,
darin, oh Graus, ’ne Rechnung
und zwei Pillen in ’nem Säckchen.
Nun gut, bei drei hinein damit
Und schauen, was geschieht.
Ich lege mich lasziv ins Bett
Und starre auf mein …


Nach Stunde eins, ich ahnt’ es schon,
noch immer keine Regung.
Nach Stunde zwei, mir graust es nun,
ist gar nichts in Bewegung.
Bald kommt die Süße schon nach Haus
Und mir wird langsam schlecht.
Das Licht geht aus, die Augen schwarz,
ich fühl’ mich nicht so recht.


Am nächsten Tag, ich wache auf,
und fühl’ mich etwas steif,
doch leider nicht nur untenrum,
Mein Körper ist sehr bleich.
Die Krankenschwester kommt herein
Und fragt nach dem Befinden,
Wie ich denn dazu komme
Meinen Körper so zu schinden.


Nun, naja, äh, das tut jetzt nichts zur Sache,
Sage ich verlegen und zeige meine dümmste Lache.
Ich war bisher zufrieden, doch wenn es um Lyrik geht,
war ich schon immer jemand, der da nicht widersteht:


Die Lunte ein bisschen später entzünden
Damit das Feuerwerk beginnt.
Den Knüppel ein bisschen stärker schwingen,
damit man den Kampf gewinnt.
Den schiefen Turm von Pisa gerade machen,
das Feuer im Feuerloch entfachen.
Ne Durchschlagskraft wie mit ’ner Flex,
Veronika, der Spargel wächst!


Zuhause wartet mein Schatz auf mich,
die Packung in der Hand.
Sie lacht und fragt, was das denn soll,
zweifelt an meinem Verstand.
Ich erinnere sie an ihren Spruch,
und ihren Ekel vor dem „Schlaffen!“
Sie rollt die Augen, sagt, „Hörst du schlecht?
Ich sagte, ich will schlafen!“



(Was? Nein! Doch! Aaaah…)


Nun check’ ich wieder meinen Spamverdacht,
und hoffe, es ist nicht zu spät,
Statt blauer Pillen bestell ich jetzt,
ein HiTech Hörgerät!
(bestellen Sie jetzt, dann ist das zweite Ohr gratis)
Klick!